Gustav Kleemann wurde am 26.09.1881 in Werneck geboren Seine Orte des Lebens und der Verfolgung waren Werneck, München, Würzburg, Riga-Jungfernhof, Wald von Bikernieki. Er ist als Opfer des Holocaust dokumentiert..
Seine Eltern waren Kleemann Salomon (21.03.1852–03.06.1931) und Kleemann Sara geb. Klau (06.06.1855–23.03.1934).
Er war in 1. Ehe verheiratet mit Kleemann Erna geb. Rosenthal, die Ehe wurde am 19.12.1912 in Würzburg geschlossen.
Er starb am 26.03.1942 in Wald von Bikernieki.
Weitere Angaben aus den Quellen: Gustav Kleemann wuchs in der Familie des Pferdehändlers Salomon Kleemann und seiner Ehefrau Sara, geborene Klau, in der unterfränkischen Kleinstadt Werneck, Landkreis Schweinfurt, auf. Nach der Volksschule in Werneck und der Realschule in Würzburg machte er eine kaufmännische Lehre und leistete seinen Militärdienst als Einjährig-Freiwilliger im Königlich Bayerischen Infanterie-Leib-Regiment (1901/02) in München. 1912 heiratete er in Würzburg die Geschäftsfrau Erna Rosenthal. Er war Kriegsteilnehmer mit Auszeichnung und bekam den Bayerischer Militärverdienstorden mit Schwertern verliehen. 1914/15 war er Sergeant (Unterfeldwebel), Inspektor im Feld, dann Abteilungsleiter für Vermahlung und Teigwarenfabrikation. Er gründete 1915 für die Heereslieferung die "Vulkanowerke GmbH" (Kraftfutterfabrik) in Würzburg und wurde deren Direktor. Nach der Überleitung in eine AG war er wahrscheinlich bis 1933 stellvertretender Vorsitzender des Aufsichtsrates. Außerdem war er Mitbegründer und schließlich auch Aufsichtsratsvorsitzender der "Baustein-Werk GmbH" in Würzburg. Ferner war er an zwei großen landwirtschaftlichen Gütern beteiligt. Er trat dann in die elterliche Pferde- und Futtermittelhandlung "S. Kleemann & Söhne" (später "Gebrüder Kleemann") ein und führte zeitweise eine Filiale in Schweinfurt. Von 1911 bis zur "Arisierung" am 1. November 1938 war er Mitinhaber der Firma. Von etwa 1923 bis 1933 hatte er außerdem leitende Funktionen in berufsständischen Gremien der Viehhändler inne, war Vorsitzender des Landesverbandes, Vorstandsmitglied des Reichsverbandes, Vorsitzender im Schiedsgericht, dann Mitglied der Schiedsgerichtskommission. Außerdem war er Mitglied der "Frankenloge" (Bne Briss) und dort schon um 1914 einige Jahre Schatzmeister, Mitglied der Deutsche Demokratische Partei, Mitglied im Reichsbanner Schwarz-Rot-Gold (1924), in der Gesellschaft Casino, in der sein Schwiegervater Max Rosenthal zeitweise Vorsitzender war, im Jüd. Turn- und Sportverein und im Jüd. Kulturbund Würzburg (Kulturbund Deutscher Juden). Nach 1933 war Gustav Kleemann wiederholt politischen und wirtschaftlichen Schikanen ausgesetzt. Im Februar 1934 erfolgte ein "Schutzhaft"antrag durch die Deutsche Arbeitsfront wegen des Lohnes für einen Pferdeknecht. Es blieb bei einer Verwarnung. Doch 1936/37 entzog man ihm aus anderen Gründen zeitweise die Gewerbekarte. Im Novemberpogrom 1938 wurde er wie alle anderen männlichen Juden kurzzeitig verhaftet und am 6. Dezember wieder entlassen (evtl. aus dem KZ Buchenwald). Die geplante Emigration nach Holland verzögerte sich durch einen Prozess mit einem verschuldeten Gutsbesitzer: im März 1940 kam es zu einem Vergleich. Zu diesem Zeitpunkt war es für eine Emigration in die Niederlande schon zu spät, zwei Monate später wurde das Land von der Wehrmacht überrannt. Der viersprachige Gustav Kleemann arbeitete nach dem Verlust seiner Firma als Auswanderer- und Kapitalberater, anfangs zunächst ehrenamtlich für die Israelitische Kultusgemeinde Würzburg. 1940 eröffnete er ein Büro. Er betrieb von Oktober bis Ende 1940 ein Gruppenauswanderungsprojekt, das jüd. Geldgebern (ursprünglich auch mittellosen landwirtschaftlich qualifizierten Personen) über den Erwerb von Anwesen in (zunächst) Ecuador die Emigration ermöglichen sollte. Er wurde am 27. November 1941 gemeinsam mit seiner Frau Erna, dem bei ihm lebenden Bruder Max Kleemann und dessen Tochter Lore von einem Würzburger "Judenhaus" nach Riga-Jungfernhof deportiert und mit ihnen bei einem der Massaker im nahegelegenen Wald von Bikernieki erschossen. Die zur selben Zeit in Riga-Jungfernhof internierte Käthe Frieß erzählt in ihrem Erinnerungsbericht von dieser Situation, vgl. Sandow, Christin: "Schießen Sie mich nieder!" Käte Frieß’ Aufzeichnungen über KZ und Zwangsarbeit von 1941 bis 1945. Berlin 2017, S. 44.