Leopold Isaak Obermayer (1892 - 1943)

Leopold Isaak Obermayer wurde am 10.05.1892 in Würzburg geboren Seine Orte des Lebens und der Verfolgung waren Würzburg, Fürth, Frankfurt am Main, KZ Dachau, Amberg, Zuchthaus Waldheim, KZ Mauthausen. Er ist als Opfer des Holocaust dokumentiert..

Seine Eltern waren Obermayer Josef (24.04.1851–24.11.1926) und Obermayer Lina (Paula), Lina geb. Feldhahn (15.07.1857–14.09.1935).

Er starb am 22.03.1943 in KZ Mauthausen.

Weitere Angaben aus den Quellen: Weinhändler; Diplom-Kaufmann; Dr. jur. et rer.pol. Leopold Obermayer wuchs in der Familie Josef und Lina Obermayer in Würzburg auf. Er besuchte die Isr. Religionsschule in Fürth und das Neue Gymnasium in Würzburg. Studium der Volkswirtschaft sowie der Rechts- und Staatswissenschaften in Würzburg, Dresden und Frankfurt; 1918 Promotion mit Auszeichnung in Frankfurt. Schweizer Staatsbürger; Militärdienst in der Schweiz. Er trat nach seiner Ausbildung als Prokurist in die Weinhandlung des Vaters ein, die er nach dessen Tod 1926 fortführte. NS-Regime: Im Oktober 1934 beschwerte er sich bei der Staatspolizeistelle Würzburg (Bayerische Politische Polizei) wegen der über ihn verhängten Postüberwachung. Er wurde deshalb von deren Leiter Josef Gerum, einem rabiaten Alt-Nazi, der ihn fortan in persönlicher Feindschaft verfolgte, sofort verhaftet. Der nachgelieferte Vorwand (Spionageverdacht etc.) ließ sich nicht halten. Nach ergebnislosen Haussuchungen wurde bei ihm aber im November 1934 in seinem Banktresor belastendes Material (Aktfotos, Briefe) über zahlreiche (zurückliegende) homosexuelle Beziehungen gefunden. Der Fall Obermayer, als ideales Feindbild, wurde seitdem von der NS-Presse ausgebeutet (so mit einer "Stürmer"-Sondernummer: "Satan vor Gericht" im Dezember 1936 - Der Stürmer). Leopold Obermayer wurde im Januar 1935 in das KZ Dachau eingeliefert. Nach Aufhebung des "Schutzhaft"-Befehls wegen seiner Schweizer Staatsbürgerschaft im September und kurzer Haft im Gefängnis Ochsenfurt wurde er erneut mit windiger Begründung (Verbreitung von "Greuelnachrichten") nach Dachau gebracht (Oktober 1935 bis September 1936). Obermayer, ein "Michael Kohlhaas in der NS-Zeit", kämpfte mit aüßerster Energie und großem persönlichen Mut gegen die Missachtung seiner Rechte, fertigte eine umfangreichreiche Denkschrift über die Misshandlungen in Dachau an, intervenierte bei Reichs- und Landesstellen. Vom selbst bedrohten Verteidiger Karl Rosenthal und dessen Nachfolger sowie von dem eingeschalteten Schweizer Konsul erhielt er kaum Unterstützung. Er konnte nicht verhindern, daß er als (auch) deutscher Staatsangehöriger eingestuft wurde. Der akademische Titel wurde ihm aberkannt (Februar 1936), die Bibliothek und das Weinlager beschlagnahmt. Am 13.Dezember 1936 wurde er, nach einem zwischen Gestapo und Justiz abgestimmten Prozess, vom Landgericht Würzburg zu zehn Jahren Zuchthaus verurteilt. Die von ihm erreichte Revisionsverhandlung im Sommer 1937 deckte zwar die Rechtsbeugungen auf, beließ aber das Strafmaß. Bis 1942 verbüßte er die Strafe in den Justizvollzugsanstalten in Amberg, Oberpfalz, und in Waldheim/Sachsen: Er wurde dann, mit anderen langjährigen Zuchthausinsassen, für das KZ Mauthausen selektiert (zur "Vernichtung durch Arbeit"). [1016][1003] Quellen: -Leopold Obermayer 1 -Leopold Obermayer 2.

Quelle Die Angaben stammen aus der „Biographischen Datenbank Jüdische Unterfranken“ und basieren auf überprüfbaren historischen Dokumenten, die auf dieser Seite direkt eingesehen werden können.