Adolf Schönwiesner (1883 - 1945)

Adolf Schönwiesner wurde am 31.01.1883 in Budapest geboren Seine Orte des Lebens und der Verfolgung waren Budapest, Garitz, Würzburg, KZ Auschwitz, Pest. Er ist als Opfer des Holocaust dokumentiert..

Er starb am 18.02.1945 in KZ Auschwitz.

Weitere Angaben aus den Quellen: Adolf Schönwiesner wurde am 31. Januar 1883 in Budapest geboren. Seine Großeltern väterlicherseits waren Abraham Schönwiesner aus Lugosch (Rumänien) und Lujza Erszebet, geb. Böhm (1836-1904), aus Criciova (Rumänien). Adolfs Vater war Jakob Schönwiesner (1852-1918), der seit 1892 mit Josefina Friedner (Jg. 1857) in Budapest verheiratet war. Das Ehepaar hatte sechs Kinder. Neben dem ältesten Sohn Adolf gab es noch die Geschwister Samu (1884-1946), József (Jg. 1887), Alexander (Jg. 1892), Julius (1893-1976) und Anna (1894-1914). Welche Schule die Kinder besucht hatten oder welchen Ausbildungen sie anschließend nachgingen, ist nicht bekannt. Seit 1903 lebte Adolf Schönwiesner in Garitz, heute ein Stadtteil von Bad Kissingen. Dort heiratete er am 10. Januar 1907 die Christin Anna Karolina Koch (1.3.1884-10.4.1974). Das Ehepaar hatte vier Kinder: Anna Maria kam bereits am 15. Dezember 1906 zur Welt, weshalb das Ehepaar sich genötigt sah, kurze Zeit später zu heiraten. Als zweites Kind kam am 5. August 1908 Marie zur Welt, die seit 1932 mit Konrad Vaeth (Jg. 1901) in New York verheiratet war. Das Ehepaar starb 2002. Das dritte Kind war Alexander (1911-1998), der später mit einer gewissen Paula Maria Kolb (1914-2010) verheiratet war. 1922 kam schließlich mit Robert Schönwiesner ein Nachzügler zur Welt, der sich während des Zweiten Weltkriegs als Obergefreiter bei der Luftwaffe verdingte. Dass sein Vater Jude war, wäre wohl nicht aufgefallen, allerdings beantragte der junge Mann die Aufnahme in die Offizierslaufbahn, die den sog. "Ariernachweis" zur Voraussetzung machte. Das kostete seinen Vater letztlich das Leben. Robert Schönwiesner starb bereits 1965, seine Frau Gertrude Elizabeth, geb. Köhler (Jg. 1928), überlebte ihn um gut 35 Jahre. Adolf Schönwiesners Biographie wird insbesondere mit dem Ersten Weltkrieg greifbar. Er diente in Pest in der 15. Kompanie des 32. Infanterieregiments der kaiserlichen und königlichen Armee Österreich-Ungarns und wurde auf der Verlustliste Nr. 262 als "verwundet" aufgeführt. Seine Angehörigen reichten bei Yad Vashem nach seinem Tod ein Foto von Adolf Schönwiesner in der Uniform der k. u. k. Armee ein. Ein weiteres Foto befindet sich in einer Gestapo-Akte im Staatsarchiv Würzburg. Vom Wohnort, der Hauptstraße 129 in Garitz, brachte man Adolf Schönwiesner laut Angabe des Bundesarchivs im August 1943 in ein Würzburger Gefängnis. Seit dem 4. September desselben Jahres war er in einer Arrestzelle der Gemeindeschutzpolizei von Bad Kissingen inhaftiert, wo er bis 1. März 1944 festgehalten wurde. Am 2. März 1944 wurde er laut Gestapo-Akte mit einem "Sammeltransport" nach Auschwitz deportiert. Das Ankunftsdatum in Auschwitz ist unbekannt, Zwischenstationen wären demnach möglich. Die Häftlingsnummer 175028 hatte man ihm nach der Ankunft auf den Unterarm tätowiert. Wie allen anderen Häftlingen schor man ihm die Haare ab und gab ihm als Bekleidung einen blau-weiß gestreiften Zweiteiler aus einem Material, das dem von Kartoffelsäcken ähnelt. Hölzerne Schuhe ohne Socken - trotz der winterlichen Kälte - wären eine außergewöhnliche Besonderheit gewesen, nicht jeder Häftling hatte sie erhalten. Vom 10. Mai 1944 bis zum 12. Juni 1944 und wieder vom 16. bis 24. Juni 1944 wurde Adolf Schönwiesner im Häftlingskrankenbau Auschwitz III - Monowitz behandelt. Welche Krankheit er gehabt hatte, ist nicht bekannt. Jedenfalls kamen nach Monowitz vorwiegend Häftlinge, die körperlich nicht in der Lage waren, die harte Arbeit in den anderen Lagern zu verrichten. Stattdessen waren sie in einer Fabrik zur Herstellung von Gummi eingesetzt worden. Am 26. September 1944 wurde Adolf Schönwiesner von dort in das Vernichtungslager Auschwitz II - Birkenau überstellt. Das Bundesarchiv gibt an, dass Adolf Schönwiesner am 18.02.1945 im "Vernichtungslager" Auschwitz "für tot erklärt" wurde. Da diese Formulierung in allen anderen Fällen synonym für "ermordet" verwendet wird, muss dem Todesumstand mehr Beachtung geschenkt werden. Gemeint ist mit "Vernichtungslager" das Lager Birkenau. Zeitlich ist eine Ermordung durch die Nationalsozialisten im Februar 1945 in Auschwitz freilich nicht mehr möglich. Seit dem 27. Januar 1945 hatten vier Divisionen der Roten Armee den Raum um die kleine Stadt Auschwitz angegriffen, um die zahllosen Fabriken der Nationalsozialisten in diesem Gebiet unter Kontrolle zu bringen. In den Tagen zuvor "evakuierte" die SS mehrere 10.000 Häftlinge und schickte sie auf sog. "Todesmärsche". Etwa 7.500 Häftlinge, die zu krank oder schwach für den Marsch waren, blieben zurück, darunter auch Adolf Schönwiesner. Nach der Befreiung ließ die Rote Armee die überlebenden Häftlinge zurück und zog weiter in Richtung Westen. Von den Überlebenden von Monowitz starben trotz der medizinischen Versorgung und der wiedereinsetzenden ausreichenden Verpflegung beispielsweise etwa 200 Menschen innerhalb der nächsten Tage und Wochen. Grund dafür war die zu weit vorangeschrittene Entkräftung, der auch Adolf Schönwiesner am 18. Februar 1945 zum Opfer fiel. Er starb auf dem Gelände von Birkenau, die Todesursache ist unbekannt. Weitere Quellen: Auskunft von Bianka Geißler (ITS Bad Arolsen) vom 19.12.2017; Auskunft von Sebastian Schlabitz (Bundesarchiv) vom 13.12.2017; Bad Arolsen, Listen von Angehörigen der Vereinten Nationen, anderer Ausländer, deutscher Juden und Staatenloser, 2.1.1.1/69832526/ITS Digital Archive; Bad Arolsen, Namensverzeichnis von Häftlingen, die im HKB Monowitz behandelt wurden, 1.1.2.1/530572/507701/507774/ITS Digital Archive; Bad Arolsen, Verzeichnis Verstorbener des KZ Auschwitz, 1.1.2.1/517747/ITS Digital Archive; Staatsarchiv Würzburg, Gestapostelle 13351 (Rüstungsbetrieb Hammelmann).

Quelle Die Angaben stammen aus der „Biographischen Datenbank Jüdische Unterfranken“ und basieren auf überprüfbaren historischen Dokumenten, die auf dieser Seite direkt eingesehen werden können.