Siegmund Ruschkewitz (1871 - 1940)

Siegmund Ruschkewitz wurde am 06.02.1871 in Danzig (Gdańsk) geboren Seine Orte des Lebens und der Verfolgung waren Danzig, Würzburg, Berlin, Heraklion. Er ist als Opfer des Holocaust dokumentiert..

Seine Eltern waren Ruschkewitz Moritz (um 1840) und Ruschkewitz Nathalie geb. Lachmann (um 1845).

Er war in 1. Ehe verheiratet mit Ruschkewitz Johanna geb. Lindemann, die Ehe wurde am 1898 in Rastatt geschlossen.

Er war in 2. Ehe verheiratet mit Ruschkewitz Mina geb. Metzger, die Ehe wurde am 1905 in Mainz geschlossen.

Seine Kinder waren Ruschkewitz Ernst (05.11.1903–31.03.1945), Rush Joseph geb. Ruschkewitz, Hans Joseph (20.03.1907–1989), Ruschkewitz Max (26.09.1899–17.11.1930) und Ruschkewitz Peretz geb. Fritz (26.10.1901–18.03.1967).

Er starb am 17.10.1940 in Iraklio.

Weitere Angaben aus den Quellen: Kaufmann, Warenhausbesitzer. Siegmund Ruschkewitz stammte aus der Kaufmannsfamilie Moritz und Nathalie Ruschewitz in der damals westpreußischen Stadt Danzig. Er kam 1898 nach Würzburg und gründete hier das Kaufhaus Siegmund Ruschkewitz (Dominikanerplatz, dann Schönbornstraße 3), das sich bald zu einem branchenführenden Unternehmen in Unterfranken entwickelte. Mehrmalige Erweiterungen und Modernisierungen, so besonders Ende der 1920er Jahre; Ausdehnung des Sortiments (ursprünglich vor allem Textil- und Haushaltswaren) auf Lebensmittel, Spielwaren, Schallplatten und andere Fachabteilungen. Die Firma ("S. Ruschkewitz, Warenhaus für Bedarfsartikel KG" (Kommanditgesellschaft) hatte 1933 rund 130 Angestellte. Siegmund Ruschkewitz erhielt 1914 das Bürgerrecht und Heimatrecht der Stadt Würzburg. Er stiftete im gleichen Jahr einen Brunnen für die städtischen Glacisanlagen nahe der Neuen Universität (Ruschkewitzbrunnen). 1931 eröffnete er ein mit dem Wohlwert-Konzern (Woolworth Deutschland) verbundenes Einheitspreisgeschäft in der Eichhornstraße 5, um die Konkurrenz dieses neuen Typs von Billigpreismärkten abzuwehren (60 Angestellte in 15 Abteilungen). Ehrenamt: Mitglied der Frankenloge (Bne Briss), später mit der Ehefrau im Jüd. Kulturbund Würzburg (Kulturbund Deutscher Juden). NS-Regime: Ab 1933 massive wirtschaftliche Verfolgungsmaßnahmen gegen die Firma, zunächst durch Belästigung und Bedrohung (Fotografieren etc.) der Kunden durch SA-Männer (Judenboykott). Nach einer Erholungsphase Ende 1933 und 1934 folgten im Frühjahr 1935 Eingriffe der NS-HAGO (Nationalsozialistischer Kampfbund für den gewerblichen Mittelstand) - willkürliche Verkaufsverbote für verschiedene Warenkategorien, Einkaufsverbote für Beamte und Wehrmachtsangehörige; schließlich im Sommer die Kürzung und Rückrufung der für das Weihnachtsgeschäft üblichen Bankkredite auf Anordnung der Partei. Siegmund Ruschkewitz resignierte und entschloss sich zum raschen Verkauf (November 1935); der Käufer Josef Neckermann handelte den Preis von 150.000 Reichsmark für die beiden Geschäfte stufenweise auf rund 50.000 RM herunter). Siegmund zog mit seiner zweiten Frau Mina im Februar 1936 nach Berlin. Beide starben Ende 1940 während ihrer Emigration kurz vor dem Ziel; auf einem überfüllten, illegalen Flüchtlingsschiff, dem die Landung in Palästina verweigert wurde, erkrankten sie an Typhus; sie wurden im Jüd. Friedhof in Heraklion auf Kreta beerdigt. [1016].

Quelle Die Angaben stammen aus der „Biographischen Datenbank Jüdische Unterfranken“ und basieren auf überprüfbaren historischen Dokumenten, die auf dieser Seite direkt eingesehen werden können.