Adolf Kohn (1884 - 1942)

Adolf Kohn wurde am 14.11.1884 in Lülsfeld geboren Seine Orte des Lebens und der Verfolgung waren Lülsfeld, Krasniczyn, Raum Lublin. Er ist als Opfer des Holocaust dokumentiert..

Er war in 1. Ehe verheiratet mit Kohn Hedwig geb. Klugmann.

Seine Kinder waren Kohn Erna (01.07.1922–1942), Kohn Alfred Abraham (08.12.1915–31.03.1944) und Kohn Sally (09.09.1917).

Er starb am 1942 in Raum Lublin.

Weitere Angaben aus den Quellen: Adolf Kohn war der Sohn des Kaufmanns Abraham Kohn und seiner Frau Rosa, geb. Frank. Seine Eltern besaßen einen Kaufmannsladen in Lülsfeld. Er gibt bei seiner Festnahme ("Schutzhaft") am 10.11.1938 folgenden Lebenslauf zu Protokoll:"Ich habe in Lülsfeld die Volksschule besucht, danach habe ich zwei Jahre eine Kaufmannslehre gemacht und war dann im Geschäft meiner Eltern beschäftigt. 1914 habe ich das Kaufmannsgeschäft meiner Eltern übernommen, bis heute. Ich habe drei Kinder im Alter von 23, 21 und 16 Jahren. Einer meiner Söhne lebt in Amerika. Ich besitze ein Haus mit einem Einheitswert von 9000 RM, das mit einer Hypothek von 4000 RM belastet ist. Wertpapiere oder Bargeld besitze ich nicht, habe aber Außenstände von ca. 1000-1500 RM." Adolf Kohn war aufgrund der Anzeige des Ortsgruppenleiters von Zeilitzheim festgenommen worden, der ihn beobachtet hatte, wie er wöchentlich mit dem Fahrrad nach Obervolkach radelte, und ihn deshalb der "Lebensmittelhamsterei" verdächtigte. Adolf Kohn sagte aus, dass er nach Nordheim fahre, um dort Fische zu kaufen. Die Aussage wurde von der Fischfrau bestätigt, die beteuert, nur Fische an Adolf Kohn verkauft zu haben, die "kein anderer haben wollte". Adolf Kohn wurde daraufhin auf Betreiben der GeStaPo Würzburg vom Gendarmerieposten Gerolzhofen wegen "mangelnder Zurückhaltung im Verkehr mit Ariern" verwarnt. Ihm wurde das Fahrrad abgenommen, ihm wurde aber die Verkaufssumme von 20RM ausgehändigt. Nach 16 Tagen wurde er mit Auflagen aus der Haft entlassen. Adolf Kohns Frau Hedwig, geb. Klugmann (489), kam aus Wiesenbronn. Ihr Sohn Alfred (*08.12.1915) konnte zwar 1939 nach Holland entkommen, wurde dort aber von den Nazis gefasst und ermordet. Ihr Sohn Sole (*1917) wanderte nach Amerika aus. Tochter Erna (Deportations Nr. 490) wurde mit den Eltern deportiert und ermordet. Vor dem Abtransport nach Würzburg musste die Familie wie andere Menschen, die deportiert wurden, die Möbel in einem Raum zusammenstellen, der dann versiegelt wurde. Sie durften einen Rucksack, Decken und Verpflegung für 14 Tage mitnehmen, sowie 80 RM um damit die Transportkosten zu bezahlen. Umschläge, in die sie Wertsachen, Urkunden und Personalpapiere stecken mussten, wurden ihnen in Würzburg abgenommen. Am 25.4.1942 wurden sie nach Krasniczyn i besetzten Polen deportiert und im Raum Lublin ermordet. Eine Nachbarin der Kohns kann sich noch gut an deren Laden, Hauptstraße 7 (damals Haus Nr. 19/20), erinnern. Dort gab es Lebensmittel, aber auch Haushalts- und Landwirtschaftsgeräte. Kohn sei der erste Autobesitzer in Lülsfeld gewesen. Er habe mit seinem Auto ihre Mutter zu ihrer Entbindung nach Würzburg gefahren. Man habe ein gutes nachbarschaftliches Verhältnis gehabt. Sole Kohn, einziger Überlebender der Familie, hat 1991 Lülsfeld besucht und hatte seit dieser Zeit regelmäßigen Briefkontakt mit der Zeitzeugin. 2004 ist der Kontakt abgebrochen, vermutlich aufgrund seines Ablebens. Eine Tochter von ihm lebt in San Francisco. Quelle: Georg Lorenzen, Biographie zum Erinnerungsgang 2011; dort als Quellen angegeben: Staatsarchiv Würzburg, GeStaPo Akten, Reg Nr 4581, 8582, K 1716 und sK 1766; A. Müssig, „Lülsfaldr Loit“, Selbstverlag Gemeinde Lülsfeld; Zeitzeugin (Jahrgang 1928); A. Müssig, "Die Lülsfelder Synagoge", Fulda 1944, Sellbstverlag der Gemeinde Lülsfeld.

Quelle Die Angaben stammen aus der „Biographischen Datenbank Jüdische Unterfranken“ und basieren auf überprüfbaren historischen Dokumenten, die auf dieser Seite direkt eingesehen werden können.