Irmelinde Cerry geb. Ullmann (1923)

Irmelinde Cerry geb. Ullmann wurde am 31.05.1923 in Grossheubach geboren und lebte in Großheubach, USA.

Ihre Eltern waren Ullmann Max (03.05.1900–1942) und Ullmann Jenny geb. Fried (21.09.1899–1942).

Weitere Angaben aus den Quellen: Irmelinde (oder Irmelinda) Ullmann wurde am 31. Mai 1923 in Großheubach geboren. Sie war das älteste von fünf Kindern von Jenny und Max Ullmann. Sie und ihre jüngere Schwester Klara waren mit 17 und 18 Jahren alt genug, um bei den Siemens-Schuckert-Werken in Berlin Zwangsarbeit leisten zu können [1090]. Dieser Umstand rettete ihnen beiden letztlich mit das Leben. Eigentlich wollten sie mit ihren Eltern und den Geschwistern nach Osten gehen, denn sie ahnten nicht, was nach den Deportationen geschehen sollte. Als die Familie am 25. April 1942 nach Krasniczyn im Raum Lublin deportiert wurde, hatten Irmelinde und ihre Schwester ebenfalls auf der Liste gestanden. Aber aus einem Schreiben des Gendarmeriepostens Kleinheubach vom 31. März 1942 geht hervor, dass die beiden nach der Meldung ihres Vaters bisher nicht von Berlin in Großheubach eingetroffen waren. Die Stapo-Außenstelle Würzburg strich sie schließlich von der `Evakuierungsliste`, nachdem sie das Ausbleiben an die `Staatspolizeileitstelle` in Berlin gemeldet und von dort die Antwort erhalten hatte, dass `die beiden Jüdinnen z.Zt. nicht zur Evakuierung freigegeben` seien. [1090] [1056] Von Frankfurt aus, wo sie etwa zwei Jahre lang gelebt hatten, waren die Schwestern 1939 nach Berlin geschickt worden. Dort verrichteten sie zwei Jahre lang Zwangsarbeit für die Firma Siemens. Später wurden beide nach Auschwitz deportiert. Wie durch ein Wunder überlebten sie das Vernichtungslager Birkenau, wo sie in Block 8 gelebt hatten. Irmelindes Schicksal wurde dort beinahe von einer Malaria-Infektion besiegelt. Sie hätte sich im völlig überfüllten und hygienisch absolut unzureichend versorgten Lageralltag in Auschwitz gewiss nicht mehr erholt - ärztliche Hilfe bekam sie nicht. Doch nach einiger Zeit wurde sie nach Ravensbrück verschleppt, wodurch sie sich dort wieder erholen konnte. Vermutlich leistete sie anschließend Zwangsarbeit, wie ihre Schwester, jedenfalls überlebte sie die Shoa und den Krieg. Danach ging sie zuerst nach Berlin, einige Monate später jedoch nach Großheubach, wo sie nur noch ihre Schwester Klara auffand. Der Vater wurde 1942 in das Lubliner Außenlager Augustowka verbracht und leistete dort ebenfalls Zwangsarbeit beim Bau von Bewässerungsanlagen für die Landwirtschaft. Ein Brief von ihm erreichte die Töchter Irmelinde und Clarssia noch in Berlin, auch ein Bestätigungsschreiben, dass ein Versorgungspaket der Töchter beim Vater eingetroffen sei. Danach wurde er von den Nationalsozialisten ermordet. Dasselbe Schicksal ereilte auch die Mutter, die Töchter Inge und Edith sowie den Sohn Theodor. Laut Berichten, die man Clarissa Ullmann zugetragen hatte, wurden alle fünf Angehörigen in Majdanek ermordet (wofür es jedoch keinen Beleg gibt). Irmelinde emigrierte nach dem Krieg in die USA und heiratete dort, ähnlich wie ihre Schwester Clarissa.[1098] Ein autobiographischer Bericht von Clarissa Ullmann, in dem viele Informationen zu Irmelinde Ullmann zu finden sind, steht bei Hans Günther, Clara Heymann - Erinnerungen an die Zeit im KZ, in: Kriegsende in Großheubach. Die Geschehnisse in der Karwoche 1945, Amorbach 2015, S. 104-114.

Quelle Die Angaben stammen aus der „Biographischen Datenbank Jüdische Unterfranken“ und basieren auf überprüfbaren historischen Dokumenten, die auf dieser Seite direkt eingesehen werden können.