Erich Justin Oberdorfer (1923)

Erich Justin Oberdorfer wurde am 22.02.1923 in Theilheim (Waigolshausen) geboren und lebte in Theilheim, KZ Buchenwald, Nürnberg, Schweinfurt, Justizvollzugsanstalt Niederschönenfeld, München, KZ Dachau.

Seine Eltern waren Oberdorfer Elsa geb. Finke (07.01.1892–1942) und Oberdorfer Siegfried (22.08.1890–1942).

Weitere Angaben aus den Quellen: Erich Justin Oberdorfer war der Sohn des Viehhändlers Siegfried Oberdorfer und der Elsa, geb. Finke, und kam am 22. Februar 1923 in Theilheim zur Welt. Er hatte drei Geschwister. Wie seine Eltern kamen auch Julius (1920), Karola (1925) und Bella (1929) in der Schoah ums Leben. Nur Erich überlebte die Verfolgung durch das NS-Regime, obwohl er seit dem Novemberpogrom 1938 bis zum Ende der NS-Herrschaft in Gefängnissen und Konzentrationslagern gefangen gehalten wurde. Sein Fall ist so einzigartig, dass sogar Saul Friedländer der Familie Oberdorfer einen Abschnitt in seinem berühmten Werk „Das Dritte Reich und die Juden“ widmete. Darin wird der völlig abstruse Vorwurf behandelt, Oberdorfer habe als 16-Jähriger ein zehnjähriges Mädchen belästigt, was von ihr allerdings abgestritten wurde. Doch Fridolin Billian, Zellenleiter und Lehrer aus Theilheim, ließ sich nicht davon abbringen, den Jungen bei der Gendarmeriestation des Ortes anzuzeigen. Der Polizei war es nicht gelungen, das Mädchen zu manipulieren und Erich zu belasten. Deshalb wurde die Gestapo mit den weiteren Ermittlungen beauftragt. Es gelang ihr, Personen ausfindig zu machen, die Zeugenaussagen erfanden, um den Jungen verurteilen zu können. Als das Verfahren 1940 beendet war, wurde Erich Oberdorfer zu einem Jahr Gefängnis in Schweinfurt, Niederschönenfeld und Nürnberg verurteilt, doch nach seiner Freilassung im April 1941 bezichtigte man ihn kurzerhand der „Rassenschande“ und verbrachte ihn ins KZ Buchenwald. Friedländer irrte sich, wenn er schrieb, „vermutlich ging auch sein kurzes Leben zu Ende.“ (S. 350) Oberdorfer kam ohne irgendwelche Wertgegenstände in Buchenwald an. Keine Brieftasche, keine Papiere, lediglich das, was er am Leib trug: Hemd, Hose, Unterhose, Strümpfe, Schuhe und eine Mütze. Man beschrieb den damals 18-Jährigen als kleinen Mann von nur 152 cm, mit schwarzem Haar, lückenhaftem Gebiss und ohne besondere Merkmale. Außerdem verzeichnete man ihn als kriminellen Minderjährigen, der als Jude und politischer Häftling gleichermaßen verhaftet worden sei. Als Grund seiner Verhaftung gab man „Vorbeugung“ an. Bis zu seiner Befreiung im April 1945 durch die US-Army bekam er mehrfach Krankheiten diagnostiziert, die den Widrigkeiten des KZ-Alltags geschuldet waren. Zuletzt hatte er ein Gewicht von lediglich 46 Kilogramm. Nach der Befreiung kam Oberdorfer zunächst nach München, wo er in der Hohenzollernstraße 4 untergebracht wurde, ehe ein amerikanischer Militärausschuss entschied, dass er endgültig freigelassen werden dürfe. Das war am 20. Juni 1945. Letztlich hatte ihm der falsche Vorwurf der Gestapo bigotter Weise das Leben gerettet, denn sein Name stand auf der Deportationsliste der restlichen Angehörigen, die allesamt von den Nazis ermordet worden waren.

Quelle Die Angaben stammen aus der „Biographischen Datenbank Jüdische Unterfranken“ und basieren auf überprüfbaren historischen Dokumenten, die auf dieser Seite direkt eingesehen werden können.