Nora Danzig geb. Braunschweiger (1930 - 2014)

Nora Danzig geb. Braunschweiger wurde am 30.04.1930 in Hösbach geboren und lebte in Hösbach, Frankfurt am Main, London.

Ihre Eltern waren Braunschweiger Josef (11.06.1900) und Braunschweiger Cäcilie geb. Löwenthal (28.10.1897).

Sie starb am 17.12.2014 in London.

Weitere Angaben aus den Quellen: Nora Braunschweiger war die jüngere von zwei Töchtern des Ehepaares Josef und Cäcilia Braunschweiger, das in der Hösbacher Hauptstraße wohnte. Der Vater handelte mit Textilien. Die Großeltern lebten im Nachbarhaus, wo ihr Großvater mit Vieh handelte. Nora berichtet später, dass sie eine idyllische Kindheit hatte. Sie habe nie irgendwelche Vorbehalte der Bevölkerung gegen sie als Juden wahrgenommen. Im Gegenteil, als ihre in der Bevölkerung beliebte und geachtete Großmutter Bertha starb, sei "das ganze Dorf" bei der Beerdigung dabei gewesen [1066]. Dies änderte sich durch ein einschneidendes Erlebnis Ende 1937 oder Anfang 1938, als ihr Vater wegen seines unerschrockenen Auftretens von jungen Nazis aus dem Nachbarort verschleppt wurde und erst nach Tagen wieder auftauchte. Daraufhin entschlossen sich die Eltern, nach Frankfurt zu ziehen. Dort konnten die Kinder weiter die Schule besuchen, die sich im gleichen Gebäude befand. Als aber auch dort die Situation immer beklemmender wurde, beschlossen die Eltern, sie und ihre Schwester Inge mit einem Kindertransport nach London fahren zu lassen. Noras Widerstände gegen dieses Vorhaben konnten die Eltern mit dem Versprechen beseitigen, bald nachzukommen und gemeinsam nach Südamerika auszureisen. Die beiden Schwestern sahen ihre Eltern und ihre anderen Verwandten, die mittlerweile ebenfalls in Frankfurt lebten oder leben mussten, nach dem Abschied auf dem Frankfurter Hauptbahnhof nie wieder [1066]. In England war sie mit ihrer Schwester in wechselnden Haushalten untergebracht, wo es ihnen - immerhin in Sicherheit - nicht gut erging. Außer über das Rote Kreuz gab es auch keine Postzustellung mehr. Nur 24 Worte waren zugelassen, von denen die Hälfte durchgestrichen gewesen sei. Manchmal hätten ihre Eltern von dem wenigen, das sie hatten, ihnen ein Päckchen geschickt. Sie hatte großes Heimweh [1066]. Schließlich wurde sie sehr krank: Sie hatte einen geplatzten Blinddarm, eine Komplikation, die in jener Zeit normalerweise zum Tode führte, dazu eine Lungenentzündung. Als die Lehrerin, die sich um das Wohlergehen der Kinder in der Schule kümmerte, nach längerer Abwesenheit zurück kam, habe sie Nora gesehen und sofort in ein Krankenhaus geschickt. Nora überlebte nach zwei größeren Operationen. Damit es ihr in Zukunft besser erging, gab man sie in ein jüdisches Kinderheim, das wegen der stärker werdenden deutschen Luftangriffe von London nach Cornwall evakuiert worden war. Von da ab war sie auch von ihrer Schwester Inge getrennt. Nach Ende des Krieges kam sie zurück nach London in ein Heim für jüdische Mädchen. Dort lernte sie Schneiderin. Nach drei Jahren wurde sie in die Selbständigkeit entlassen [1066]. Nora Danzig starb am 17.12.2014 im Alter von 84 Jahren in London an den Folgen eines Sturzes, den sie drei Tage vorher erlitten hatte [1066].

Quelle Die Angaben stammen aus der „Biographischen Datenbank Jüdische Unterfranken“ und basieren auf überprüfbaren historischen Dokumenten, die auf dieser Seite direkt eingesehen werden können.